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Die Differenzierung im zweiten juristischen Staatsexamen erfolgt nicht so sehr über Intellekt oder Lernleistung, sondern sehr weitgehend über die Faktoren Zeit und Arbeitseinteilung. Das Zeitproblem habe ich im Verhältnis zum ersten Staatsexamen als erheblich massiver empfunden. Während ich im ersten Examen nie echte Zeitprobleme hatte, mußte ich im zweiten immer sehr darum kämpfen, kein Fragment abzuliefern. Wo man noch Zeit einsparen soll, weiß ich
aber leider auch nicht.
- Wer nach 11:00 Uhr erst mit der Niederschrift der Gründe / der rechtlichen Würdigung beginnt, der wird nicht wirklich fertig.
- Bei Klausuren, bei denen aufgrund der Aufgabenstellung erst am Ende punkteträchtige Ausführungen erforderlich sind (z.B.: Zweckmäßigkeitserwägungen und Anträge bei Anwaltsklausuren, Nebenentscheidungen bei Urteilen), sollte man diese unbedingt frühzeitig, keinesfalls erst zum Schluß der Bearbeitungszeit fertigstellen: Das Risiko ist einfach viel zu groß, daß am Ende Hektik aufkommt und schließlich Zeit und Konzentration nicht mehr reichen. Also einfach ein leeres neues Schlußblatt mit entsprechender Überschrift schon relativ frühzeitig anlegen. Es schafft Ruhe am Schluß der Klausur, wenn man weiß, daß man nur noch Nebensächlichkeiten abhaken muß und keine tragenden, am besten auch noch kreativen Überlegungen mehr zu Papier gebracht werden müssen. Frühzeitige Übung in diesem Bereich schadet nicht!
- Das gestellte Recycling-Papier hat mir den Füller beim Schreiben "leergesoffen". Man sollte sich einen schnelleren Stift suchen.
Kugelschreiber, bei denen man drücken muß, führen nach 3-4 Tagen vielfach zu Schmerzen an der Hand.
- Das Konzept- und Schmierpapier kann, muß aber nicht mit abgegeben werden.
- Ich hatte den Eindruck, daß die Examensklausuren in ZivilR und ZwangsvollstreckungsR immer ca. 1-2 nennenswerte
Probleme mehr enthielten als die (bis zu 5 Jahre älteren) Probeklausuren.
- Die Latrinenparole von dem "Bundesdurchgang" im März, wonach in vielen Bundesländern dieselben Klausuren gestellt
würden, um die Vergleichbarkeit zu prüfen, ließ keine Schlußfolgerung darauf zu, daß im Öffentlichen Recht nur Bundesrecht abgeprüft wurde (Bei mir gab's u.a. viel Vollstreckungsrecht).
- Die Summe der zugelassenen Kommentare und Gesetzestexte hat ein nennenswertes Gewicht. Ihr Transport mit der Hand ist auch für Männer eine gewisse sportliche Leistung. Deshalb - v.a. am ersten Klausurentermin - rechtzeitig von der Wohnung starten, um nicht abgekämpft anzukommen. Auch über einen geeigneten Transportbehälter (Vielleicht doch den peinlichen Hartschalenkoffer auf Rollen?) sollte man sich Gedanken machen.
- Gefahrgut aus dem Weg räumen: Wer auf kleinen Tischen zusätzlich zu Klausur, Gesetzestexten und seinem Schreibpapier auch noch Kaffeetassen oder sonstiges Gefahrgut abstellt, ist selbst schuld, wenn ihm die Suppe über die Arbeit läuft. Die zahlreichen Kaffeeflecken auf dem Fußboden zumindest "meines" Klausurenraumes zeugten davon, daß
a.) Mißgeschicke dort wegen allgemeiner Nervosität häufiger sind als sonst und
b.) der Fußboden ein ungefährlicherer Aufbewahrungsort für Tassen, Dosen etc. ist.
Auch wenn man selbst nie etwas umwirft: Dem tölpeligen Nachbarn würde ich lieber nicht die Chance geben, so über meine Zukunft mitzuentscheiden!
- Öffentliches Recht: Aufpassen, wenn vom LJPA die "ordnungsgemäße" Rechtsbehelfsbelehrung entfernt wird: Die nach der Klausur gerade mit der Sache befaßte Behörde ist evtl. nicht für den Erlaß des Widerspruchsbescheides, sondern "nur" für die Abhilfeentscheidung zuständig (bei abgedruckter Belehrung würde man leichter drauf kommen!).
Verleih zugelassener Kommentare
Wohl die wenigsten Referendare möchten sich alle im zweiten Staatsexamen zugelassenen Kommentare selbst kaufen. Mit alten Schätzchen aus der Bibliothek will man aber auch nicht um seine berufliche Zukunft kämpfen. Deshalb bieten einige Buchhandlungen an, die Kommentare für die Klausuren zu mieten. Das ist in Düsseldorf z.B. die Fachbuchhandlung Sack, Klosterstraße.
Sehr früh reservieren - sicher ist sicher!
Im Frühjahr/Sommer 2003 gab es einige Hilferufe, weil keine Miet-Kommentare mehr aufzutreiben waren. Daher: Unbedingt frühzeitig reservieren! Eine Kollegin berichtete, fast 5 Monate vor ihrem Klausurtermin wären schon alle Kommentare fest vergeben gewesen, so daß sie leer ausging!