Verwaltungsstation im Rechtsreferendariat

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Die Vergabe der Plätze in der Verwaltungsstation war zumindest zu Zeiten meines Rechtsreferendariates immer eine Wissenschaft für sich. Dazu möchte ich hier jetzt nichts mehr sagen.

Die Station ist bei bekennenden Zivilrechtlern meist nicht so beliebt. Als bekennender Ö-Rechtler meine ich: Zu Unrecht!
Gerade die größeren Städte haben in ihren Rechtsämtern und/oder in ihren Fachbereichen viele Nischen aus Gebieten außerhalb des klassischen öffentlichen Rechts. Die kommunalen Rechtsämter z. B. machen meist viel mehr als nur die Vertretung bezüglich angefochtener oder begehrter Verwaltungsakte im Verfahren und vor Gericht.

Einige Beispiele:

Im Liegenschaftsbereich der Kommunen bietet sich - z. B. für Menschen mit Ambitionen zum Notar - ein weites zivilrechtliches und speziell immobilienbezogenes Feld, das gut auch noch für eine anschließende weitere Station ausreichen dürfte. Wer sich einmal anschaut, was das kommunale Beteiligungsmanagement der Großstädte leistet, der kann sich leicht vorstellen, dass man auch das Gesellschaftsrecht in einer Verwaltungsstation praktisch vertiefen kann, evtl. mit den Besonderheiten der öffentlichen Hand, die zu kennen später durchaus nützlich sein kann.

Je nach Geschäftsverteilung befassen sich die kommunalen Vollstreckungsbehörden (z. B. Stadtkasse) nicht nur mit der Zwangsvollstreckung nach öffentlichem Recht, sondern auch mit zivilrechtlichen Fallgestaltungen. Sicher kein Lieblingsfach der meisten Juristen, aber wer später als Einzelkämpfer unterwegs sein möchte/muß, der kann dort schon einmal sehr praktische Vollstreckungsfragen kennenlernen.

Die Bußgeldstellen sind nicht gerade zivilrechtlich geprägt, aber das dort vertieft behandelte Recht der Ordnungswidrigkeiten ist bekanntlich ein »kleines Strafrecht« und so eine Bereicherung für Strafrechtler.

Freunde des Steuerrechts können in Kommunalverwaltungen ebenfalls bedient werden, entweder in echten Steuerämtern oder aber in jenen Betrieben, die nach dem Kommunalabgabengesetz abrechnen müssen (Stadtentwässerung, Abfallbehörde etc.).

Wer ein bißchen darüber nachdenkt, sollte es auf diese Weise hinbekommen, »sein« fachliches Steckenpferd auch dann durch die Verwaltungsstation zu retten, wenn es eher auf zivilrechtlichem Gebiet zuhause ist.

Stand dieses Textes: 28.03.2010

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